Artikulation & Sprachmelodie

Artikulation: Bewusstsein

Wenn wir unsicher sind, sprechen wir oft leiser und undeutlicher, als wollten wir eigentlich gar nicht verstanden werden. Das ist in der Regel ein unbewusster Prozess, dem du versuchen solltest, bewusst entgegenzuwirken:

 

Mach dir klar, dass du sprichst, um gehört zu werden. Im Zweifelsfall ist es schließlich besser, am Ende für etwas kritisiert zu werden, das du tatsächlich gesagt hast, als für etwas, das falsch oder gar nicht verstanden wurde.

 

Du bist kein Bauchredner. Man darf sehen, dass du sprichst! So gibst du deinem Publikum auch die Möglichkeit, deine Lippen zu lesen, was das Verständnis gerade in Situationen mit schlechter Akustik erheblich erleichtern kann. Gehe in Ruhe laut das Alphabet durch und entdecke, wie unterschiedlich allein deine Lippen die verschiedenen Buchstaben formen. Für den Anfang kannst du es auch erst mal mit den Vokalen A-E-I-O-U ausprobieren.

 

Übe das deutliche Sprechen auch, aber nicht nur für dich allein. Integriere die bewusste Wahrnehmung in deinen Alltag, damit es dir in der Vortragssituation leichter fällt und sich natürlicher anfühlt.

 

Achtung! Deutlich zu sprechen, bedeutet nicht, überdeutlich zu sprechen und Laute hinzuzufügen, die wir sonst nur schreiben, wie z.B. das „h“ in gehen.

Artikulation: Kurzfristige Soforthilfe

Eine einfache und beliebte Übung, die oft sofortige Wirkung zeigt, ist es, einen Weinkorken zwischen die Zähne (Level I) oder zwischen die Lippen (Level II) zu nehmen und damit für etwa eine Minute zu sprechen.

 

Du kannst dich an einem einfachen Text, wie diesem Artikel, probieren oder auch an Zungenbrechern, z.B. "Brautkleid bleibt Brautkleid und Blaukraut bleibt Blaukraut" oder "Spitz und Pudel trinken spritzenden Sprudel".

 

Nachdem du den Korken rausgenommen hast, sprich den gleichen Text noch einmal und klopf dir selbst für deine vermutlich dann sehr saubere Artikulation auf die Schulter!


Tipp: Der Weinkorken ist ein Klassiker. Wenn du gerade aber keinen zur Hand  hast, kannst du auch deinen Zeigefinger beugen und das mittlere Glied zwischen die Zähne/Lippen nehmen. 

Artikulation: Langfristiger Muskelaufbau

Klare Artikulation erfordert hohe Aktivität der Zunge, Lippen und Kiefer. Diese Muskulatur zwischendurch bewusst zu trainieren, ist für eine gute Artikulation also extrem förderlich. 


Fahre mit der Zunge innen und außen die obere und untere Zahnreihe entlang. streck sie weit raus und versuch, deine Nasen- oder Kinnspitze zu berühren. Roll deine Zunge, wenn du kannst, oder stülp sie nach außen, während die Zungenspitze an den unteren Schneidezähnen sitzen bleibt.

 

Mime abwechselnd einen spitzen Kussmund und einen Breitmaulfrosch. Danach, um die Muskulatur zu locken, "trillere" mit den Lippen, wie wir es oft auch gerne mit Kindern üben.

 

Sperr den Mund schnell abwechselnd weit auf und schließ ihn wieder, wie ein Fisch, der Wasser trinkt. Anschließend streich deine Kiefern- und Wangenmuskulatur mit geöffnetem Mund gut mit den Händen von oben nach unten aus.

 

Die seitliche Halsmuskulatur ist ebenfalls an unseren Kieferbewegungen beteiligt. Nach getaner Arbeit hat auch sie sich also eine kleine Massage verdient. 

Sprachmelodie

Wie gut und wie gerne man dich hört, hängt auch von der Tonhöhe ab. Häufig liegen wir weit über unserer natürlichen Sprechstimmlage. Diese findest du z.B. durchs Summen. Probiere verschiedene Höhen und Tiefen aus, bis du den bequemsten Ton gefunden hast. Um diesen Ton sollte sich auch deine Sprachmelodie bewegen.

 

Die Bewegung der Melodie bestimmt, welche Worte betont werden. Plane sie gut, denn sie kann unter Umständen die Bedeutung eines ganzen Satzes verändern.

 

Bsp: Mit ALKOHOL hab ich keine Probleme. ≠ MIT Alkohol habe ich keine Probleme.

RHYTHMUS & Tempo

Unter Nervosität nehmen wir häufig gar nicht wahr, wie schnell wir sprechen, und eilen durch unseren Vortrag als wollten wir ihn möglichst nur hinter uns bringen. Das macht es dem Publikum schwer, zu folgen und das Gehörte zu verarbeiten.

 

Drossel daher dein Tempo lieber und setze auch bewusst zwischendurch Pausen. 

Leo Will, Tipps, Theaterpädagogik, Workshop, Seminar, Dozent, Artikulation, deutliches Sprechen, Vortrag, Hannover, Kurs, Leonie Stratmann

Vielen Dank für das Hintergrundbild dieser Seite an Jan Duijnisveld!