Körper, Raum & Präsenz

Haltung

Eine gesunde Körperhaltung sieht nicht nur gut aus, sondern sorgt auch für ein gutes Gefühl und erleichtert alle weiteren Faktoren für einen gelungenen Vortrag.

 

Bist du entspannt? Solltest du schon mal einen meiner Workshops zum Thema Körper besucht haben, erinnerst du dich sicherlich an mindestens eine Übung, mit der wir unsere Körperteile nacheinander durchgeschüttelt und uns zu Beginn gelockert und ordentlich aufgewärmt haben.

 

Weniger schweißtreibend ist das Prinzip der Entspannung durch Anspannung. Bei Nervosität neigen viele z.B. zu verspannten Schultern. Zieh sie bewusst weit hoch, halte die Anspannung für einen Moment und lass sie dann fallen. Schon hängen sie wieder locker. Dieses Prinzip lässt sich auf den ganzen Körper anwenden und auch zu einer intensiven Entspannungsübung ausdehnen, indem du nacheinander all deine Körperteile für einen Moment bewusst anspannst (Tipp: Geh von unten nach oben vor).

 

Das hilft übrigens auch beim Einschlafen am Abend vor deinem großen Auftritt!

 

Bist du gedehnt? Viele Stunden über Büchern, Smartphones und an Computern lassen die Muskeln immer kürzer und unsere Körper immer krümmer werden. Daher ist regelmäßiges Stretching für eine gesunde Körperhaltung unerlässlich.

 

Geh dabei behutsam mit deinem Körper um, aber schummle auch nicht. Vergleich dich mit niemandem als dir selbst. Halte eine Position für einen Moment und teste dann vorsichtig, ob du noch etwas weitergehen kannst.

 

Stehst du gerade? Entspannung ist das Gegenteil von Verspannung, aber nicht von allgemeiner Körperspannung. Diese brauchen wir nämlich unbedingt!

 

Füße: Besonders stabil stehst du, wenn deine Füße hüftbreit auseinander stehen. Lass sie in deinem Kopf Wurzeln schlagen, das erdet dich.

 

Rücken: „Bauch rein, Brust raus!“ führt oft zu Fehlhaltungen und Verspannungen. Gesünder ist die Vorstellung, deinen Bauchnabel nach oben zu ziehen und deine Schulterblätter in die Hosentaschen gleiten zu lassen. Damit richten wir unsere Wirbelsäule auf.

 

Kopf: Fühl dich am Scheitel von einem Faden Richtung Decke gezogen oder stelle dir vor, du trägst eine Krone, die natürlich nicht herunterfallen darf.

 

Raum

Bevor du mit deinem Vortrag beginnst, mach dich mit dem Raum vertraut:

 

Platz

Wie groß ist der Raum? Wie viel Platz habe ich?

 

Akustik

Gibt es Störgeräuche von außen, die noch ausgeschlossen werden können? Bist du dem Publikum zugewandt? Die Richtung, in die du sprichst, hat Einfluss auf die Verständlichkeit deiner Sprache! Also, sprich nicht mit dem Boden oder der Leinwand hinter dir, sondern mit deinen Zuhörern. 

 

Publikum

Habe ich alle meine Zuschauer im Blick und bin ich gut sichtbar?

Wie weit ist der letzte Zuschauer entfernt?

Wie nah ist der nächste Zuschauer?

 

Blickfang

Wenn es im Raum visuelle Ablenkungen für das Publikum gibt, mach dir diesen Umstand zu Nutze. Ziehen zum Beispiel die Fenster den Blick deiner Zuschauer auf sich, stell dich daneben oder davor. So bleibst du weiter im Blickfeld.

 

Gestik

Nimm dich z.B. beim Üben deines Vortrags mit der Webcam oder dem Handy auf und lerne so, deine dir vielleicht noch unbekannten Angewohnheiten zu kontrollieren.

 

Stehe nicht steif da, übertreibe es aber auch nicht mit der Gestik. Deine Bewegungen sollen den Inhalt unterstützen und nicht von ihm ablenken.

 

Plane ggf. auch bewusst bestimmte Gesten ein, die deine Aussage visuell unterstützen können. 

 

Mimik

Lass deine Mimik das begleiten, was du sagst.

 

Schaue nicht starr geradeaus, aber auch nicht ständig hin und her, denn das wirkt hektisch oder unsicher. Wenn du unsicher bist, such dir einen Punkt hinter bzw. leicht über dem Publikum aus, den du anvisieren kannst.

 

Such bewusst zwischendurch Augenkontakt mit deinen Zuhörern. So intensivierst du deine Beziehung zum Publikum und steigerst seine Aufmerksamkeit.

Präsenz

Mit einer aufrechten Körperhaltung, Blickkontakt und dem bewussten Einsatz von Gestik und Mimik erfüllst du schon viele Voraussetzungen für tolle Bühnenpräsenz. Unsere Ausstrahlung lebt allerdings auch besonders von inneren Vorgängen!

 

Wie beim Schauspiel, ist es auch beim Vortrag wichtig, in der Rolle zu bleiben. Sei wach und konzentriert. Bleib auch aufmerksam für das, was um dich herum passiert.

 

Um Präsenz zu entwickeln oder zu steigern, kannst du mit Vorstellungskraft arbeiten. Welches Bild dir hilft, ist sehr individuell.

 

Beliebte Vorstellungen sind, Pfeile ins Publikum zu schießen (intensiviert die Beziehung zu den Zuschauern), von einem Kraftfeld umgeben zu sein (lässt dich in dir ruhen) oder einen strahlenden Diamanten oder Scheinwerfer auf der Brust zu tragen (wirkt selbstbewusst und stark).

 

Trotz aller bewussten Vorgänge: Bleib dir selbst treu. Authentizität und eine individuelle Persönlichkeit sind oft der Schlüssel zu einer wirklich tollen Ausstrahlung!

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Illustration: Leo Will (Leozentrismus)

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Vielen Dank für das Hintergrundbild dieser Seite an Jan Duijnisveld!