Tipps zur Rollenvorbereitung

Funktion und Dynamik

Um dich deiner Rolle anzunähern, solltest du zunächst folgende Fragen beantworten:

 

  • Welche konzeptionelle Funktion erfüllt die Figur im Stück?
  • Welche Ziele verfolgt die Figur im Stück?
  • Wie ist das Verhältnis zwischen ihr und anderen Figuren?
  • Entwickelt und verändert sich die Figur und wenn ja, wie und warum?

Einfühlung

Wie und wie sehr wir uns in eine Figur einfühlen müssen, wollen und dürfen, hängt stark vom Stück und vom Stil der Inszenierung ab.

 

Handelt es sich um eine flache Figur in einer Komödie oder sollen die Figuren rein in ihrer konzeptionellen Funktion präsentiert werden, ist eine allzu tiefe psychologische Auseinandersetzung mit der Rolle möglicherweise unnötig bis hinderlich.

 

Gerade bei einer Improvisation kannst du aber in der Szene aus vorher angestellten Überlegungen zur Figur möglicherweise großartige Ideen und Impulse schöpfen und hast bessere Anhaltspunkte, wie deine Figur, ander als deine eigene Person, auf bestimmte Situationen reagieren würde.

 

Einstieg

Um dich möglichst vollständig in deine Rolle zu „verwandeln“, nimm dir ruhig einen Moment Zeit, bevor du mit dem Spielen beginnst. Geh ins „Freeze“ und besinne dich auf die Körperlichkeit deiner Figur, persönliche Hintergründe und akute Umstände. Wenn du aus der Position „erwachst“, beginnt die Szene.

 

Ebenso kannst du das Ende durch ein Freeze deutlich machen und einen klaren Cut setzen zwischen der Verkörperung deiner Rolle und deiner eigenen Person. Bleib einige Sekunden ganz still, bevor du dich dem Publikum wieder als „du“ zuwendest.

 

Im Folgenden findest du einige Beispiele für entsprechende Überlegungen.

Akute Umstände

Fragen zur konkreten Szene direkt können den Zugang erleichtern:

 

Wie riecht es?

Welche Geräusche sind zu hören?

Ist es warm oder kalt?

...

Persönliche Details

Um die Rolle noch besser kennenzulernen und dich in sie einfühlen zu können, kannst du auch noch intimer zu werden und im Fall einer Textvorlage über sie hinausgehen (ohne mit ihr in Konflikt zu geraten).

 

  • Vor-, Nach- und Spitzname
  • Name und Beruf der Mutter und des Vaters, Geschwister, Verhältnis zur Familie
  • Beruf und finanzielle Situation, Traumberuf als Kind, Bildungsweg, Lebensereignisse
  • Wohnsituation (auch im Detail: Einrichtung? Blick aus dem Küchenfenster?)
  • Gesundheitszustand
  • Körperhaltung, Gestik, Sprachgewohnheiten (z.B. Lieblingsbegriffe)
  • Haustiere
  • Lieblingsbesitz
  • Lieblingsmusik, -buch, -film, -essen, -kleidungsstück, -sport
  • Hobbies, Talente, Kenntnisse und Fähigkeiten
  • langfristige Ziele (z.B. wo sieht sich die Figur in zehn Jahren?)
  • Tag- oder Nacht-Mensch? Introvertiert oder Extrovertiert?Optimist oder Pessimist?
  • größter Wunsch / größte Angst
  • schlechte Angewohnheit / gute Angewohnheit
  • schlimmste Erinnerung / schönste Erinnerung
  • größter begangener Fehler / größter Stolz
  • peinlich berührt durch?
  • Geheimnis und ggf. Mitwisser
  • Wenn deine Figur einen Menschen für einen Tag zurück ins Leben bringen könnte, wer wäre das, was würde sie mit ihm unternehmen und warum?
  • Würde deine Figur im Lotto gewinnen, was würde sie mit dem Geld anstellen?
  • Was macht deine Figur, wenn sie wütend ist?
  • Würde deine Figur in der Öffentlichkeit weinen?
  • Wie geht deine Figur mit Stress um? Warum?
  • Wie beschreibt deine Figur sich selbst und was denkt sie wirklich von sich?
  • Was meint deine Figur, wie andere über sie denken und reden?

Leo Will, Tipps, Theaterpädagogik, Workshop, Seminar, Dozent, Schauspiel, Rollenarbeit, Rollenvorbereitung, Hannover, Kurs, Leonie Stratmann

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